Review by Prof. Dr. Greta Moens-Haenen
(Bremen, Hochschule fŸr KŸnste) in
Svensk tidskrift fšr musikforskning (STM), 2005.
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[Greta Moens-Haenen:]
Ibo Ortgies: Die Praxis der Orgelstimmung in
Norddeutschland im 17. und 18. Jahrhundert und ihr VerhŠltnis zur
zeitgenšssischen Musikpraxis. Diss. Gšteborg: Institutionen fšr film- och musikvetenskap/GOArt, Gšteborgs
universitet, 2004, 315 s., ill.
Die Dissertation von Ibo Ortgies beschŠftigt sich
mit Fragen der norddeutschen Orgeltemperatur im 17. und 18. Jahrhundert. Ausgehend von der Hypothese,[Io1] dass mindestens bis 1740 die mitteltšnige Stimmung der Normalfall
war, untersucht Ortgies einige besondere
FŠlle,[Io2] darunter LŸbeck und
Alkmaar, sowie die Beziehungen zur Ensemblemusik der Zeit. Er kommt dabei zum
Schluss, dass, nicht zuletzt[Io3] unter dem Einfluss der Ensemble-Intonation[Io4], die Stimmung der Orgeln
unmittelbar von mitteltšnig zu
gleichstufig wechselte, ohne Umwege Ÿber wohltemperierte Stimmungen.[Io5] Wenn hier Ÿber
mitteltšnig die Rede ist, so ist immer die strenge 1/4-Komma-Mitteltšnigkeit
gemeint, also keine Modifizierungen. Um den Umgang mit wohltemperierten
Stimmungen darzulegen, stŸtzt er sich vornehmlich auf Werckmeister, der als
Fallbeispiel herausgehoben wird. Werckmeister
dient ihm dabei sowohl als Zeuge[Io6] fŸr das uneingeschrŠnkte
Weiterleben der Mitteltšnigkeit bis ins 18. Jahrhundert hinein, als auch
als Beispiel dafŸr, dass einem Theoretiker[Io7], der heute als besonders wichtig eingeschŠtzt
wird, nicht unbedingt in seiner Zeit[Io8] de facto zugehšrt
wurde. Dass von mitteltšnig sofort zu gleichstufig umgestimmt wurde, geht laut
Ortgies u.a. aus den Zeiten, die man fŸr das Stimmen benštigte, hervor. Dazu
nimmt er die Zeit des BŠlgetretens als
Beleg.[Io9] Er stellt die Behauptung auf, dass die durch Bezahlung der BŠlgetreter
bekannten ZeitrŠume, die manchmal mehrere Wochen umfassen[Io10], fur die Korrektur der mitteltšnigen 1/4-Komma-Stimmung
verwendet wurden, nicht aber fŸr Modifizierungen der Stimmung[Io11]. Diese Behauptung
lŠsst sich allerdings an keiner Stelle konkret nachweisen.
Ortgies
will in seiner Arbeit vor allem die
Praxis in den Mittelpunkt rŸcken[Io12]: Die Praxis des Stimmens,
die Praxis des Ensemblespiels und die Praxis des Zusammenwirkens von Orgel und
Ensemble. Die relativ kurze
Zeit, in der seine Arbeit geschrieben werden musste[Io13], hat wohl auch dazu
gefŸhrt, dass einige theoretische
Aspekte weniger BerŸcksichtung fanden[Io14]. Bedauerlich dabei ist,
dass die Darlegungen im vierten HauptstŸck ausschlie§lich auf SekundŠrliteratur beruhen[Io15]. Es geht hier um
ArchivstŸcke zu Orgelbau und -wartung in Norddeutschland (mit einigen, m.E. recht arbitrŠr gewŠhlten Beispielen aus
anderen Gebieten[Io16]). Ortgies hat recht,
wenn er behauptet, dass Ÿber die
Stimmung sehr undeutlich gesprochen wird und vieles in verschiedene Richtungen
ausgelegt werden kann[Io17]. Dennoch hŠtten einige
Stichproben in lokalen Archiven vielleicht
noch mehr zu Tage gebracht[Io18].
Den Kern seiner †berlegungen, dass
ãmitteltšnigÒ immer nur die konsequente Mitteltšnigkeit bedeuten solle,
legt er dar anhand der Angaben fŸr die Orgel der Bremer Kirche Unser Lieben
Frauen[Io19], die 1641 von Jacob Praetorius und Heinrich
Scheidemann gemacht wurden[Io20] (es wŠre gut, eine einheitliche Rechtschreibung der Namen[Io21] zu verwenden). Der
Orgelbauer Sieburg war mit der Kritik von Praetorius und Scheidemann
hšchst unzufrieden und bekam die
Genehmigung[Io22], das Urteil eines
dritten SachverstŠndigen, des Orgelbauers Adolph Compenius, hinzuzuziehen. Ortgies geht nun davon aus, dass spŠtestens
durch das Auftreten von Compenius die Diskussion, ob hier von einer modifiziert
mitteltšnigen Stimmung die Rede sein kšnne, gegenstandslos wird[Io23] (S. 180). Ich sehe das
nicht ganz so, denn: erstens ist im Protokoll
zum offiziellen Gutachten von Praetorius und Scheidemann[Io24] – es ist eine der
hšchst seltenen Quellen, in der die Orgelstimmung etwas ausfŸhrlicher
behandelt wird – eindeutig die
Rede Ÿber eine Modifikation[Io25]. Es hei§t dort
Èwill Er versuchen so
viehl immer mŸghligen dieselbe Quinte
zwischen a. vnd d. Rein zu stimmen[Io26] vnd die tertien zu
schŠrffen vnd die schwebende Quinte an andere …hrter zu bringenÇ.
Mit ãso viel immer mŸghlichen É ReinÒ kann keine
mitteltšnige Quinte gemeint sein, denn eine 1/4-Komma mitteltšnige Quinte ist
genau definiert[Io27]. Wenn die Quinte d-a grš§er wird, werden die
Terzen von selbst ãgeschŠrfftÒ, also hšher[Io28]. Dem nun widerspricht
das Gutachten von Adolph Compenius nicht. Er findet, genauso wie die
beiden von der Kirche bestellten Gutachter vor ihm, die Stimmung nicht so, wie
sie sein sollte. Er lšst das Problem auf
unkomplizierte Weise[Io29], indem er die ãoctauÒ
(Octav 4') stimmt und dem Orgelbauer rŠt, das ganze Werk in diesem Sinne
weiterzustimmen:
ÈWeil itziger Zeitt die
quinten in der stimme octaua genandt so Viele al§ mŸglich vnde sich leiden
will/ nicht gahr zu bšse[Io30] Sein mŸssen/ da mit die
harmoni nicht zu widerlich gehšrett wirdt, vnde wir izo die octau
gestimmet/ mu§ in Allen Stimmen turch alle 3 Clauier vnde pedahl nach
gestimmet werden/Ç (Quelle: Pape-Topp 2003, S. 182 – Praetorius/Scheidemann[Io31] – und S. 183
– Compenius).
Es kann hier also nicht
die Rede von einer temporŠren Lšsung[Io32] sein. Dass die Empfehlung von Compenius
die VorschlŠge der beiden offiziellen ersten Gutachter entkrŠftet, kann ich
beim besten Willen aus diesem Protokoll nicht
herauslesen[Io33]. Compenius Šu§erte sich
entschieden ungenauer zur Stimmung als Praetorius und Scheidemann. Dabei ist er
aber auch konkret, denn er stimmt einfach ein Register vor, und der Orgelbauer
soll nun den Rest in gute Ordnung bringen. Aber auch hier ist die Rede von
ãnicht gahr zu bšseÒ und eine nicht allzu widerliche Harmonie.
Es
ist klar, dass im ganzen 17. und in wesentlichen Teilen des 18. Jahrhunderts
grundsŠtzlich die Rede von der Praetorianischen Stimmung, ergo von der
Mitteltšnigkeit die Rede ist. Nur: Es fragt sich hier tatsŠchlich, ob
man mit ãPraetorianischÒ jede aus der Praxis geborenen Modifizierung
ausschlie§en soll. Denn es gibt ja eindeutig einen Unterschied[Io34] zwischen theoretischen
Modellen und dem, was die Praxis daraus macht. Gerade beim Orgelbau
sollte man nicht vergessen, dass es weder
StimmgerŠte gab noch eine absolut gleichmЧige Windversorgung[Io35]. Erschwerend kommt
au§erdem hinzu, dass Praetorius selbst sich der Fu§angeln seines Modells (das
sich wesentlich leichter in voller
Konsequenz auf besaiteten Tasteninstrumenten realisieren lŠsst[Io36]) bewusst war. Er
wei§t sinngemЧ selbst auf Modifizierungen hin (Praetorius, Syntagma Musicum II, S. 155: É
nicht so gar falsch/ vnd
nicht so gar reine seyn/ sondern nur erzlicher massen/ doch dass sie nicht so
sehr wie andere Quinten schweben/ damit es/ wann aus frembden Clavibus, vnd durch die Semitonia etwas geschlagen wird/
nicht gar zu sehr dissonire, Wiewol etliche meynen die Quinta cis gis mŸsse gar rein
seyn/ welches aber meines erachtens nicht passiren kan.)
Und zum Wolf:
É Vnd damit ihnen gleichwol in etas
geholffen wŸrde/ habensie allen andern Clavibus ein gar geringes abgebrochen/
vnd die Tertiam majorem e gis nicht zu gar reine/ sondern etwas weiter von
einander gezogen [Anm: Praetorius und
Scheidemann hŠtten gesagt[Io37]: geschŠrfft], damit das gis ein
wenig in die hšhe dem a nŠher/ dem f aber weiter kommen...
Hier ist immer noch von der ãPraetorianischen
TemperaturÒ die Rede[Io38].
Es
gibt in der Dissertation von Ortgies einen lŠngeren Abschnitt Ÿber den Gebrauch
von Subsemitonien. Diese sprechen eindeutig fŸr eine rein mitteltšnige
Stimmung. Man sieht aber, dass sie schon relativ
frŸh im Laufe des 17. Jahrhunderts[Io39] verschwinden. Orgelbauer
wie Stellwagen verwenden sie z.B.
nicht[Io40]. Spricht das fŸr eine
Modifizierung der Stimmung? Hier kšnnte man nun der Frage nach dem Zusammenwirken
von Orgel und Instrumenten nachgehen. Diesem Zusammenwirken sowie der
Intonation im Ensemble widmet Ortgies ein lŠngeres Kapitel. Allerdings
unterlŠuft ihm hier ein Fehler: Es stimmt natŸrlich, dass, wenn eine Orgel
im Chorton in C spielt, die tiefgestimmten HolzblŠser in Es spielen und Streicher
und SŠnger im Kammerton in D musizieren. Blo§: Streicher und SŠnger musizieren nicht im Kammerton wenn sie in der
Kirche sind, sondern im Chorton[Io41]. Also: Drei
unterschiedliche Tonhšhenstandards in diesem Sinn gab es nicht gleichzeitig in
der norddeutschen Praxis. Viele Kirchen hatten eigene Instrumente, und bevor
die franzšsischen HolzblŠser modisch wurden, gehšrten dazu wohl auch
ãtraditionelleÒ HolzblŠser im Chorton. Diese traditionellen Blasinstrumente
sind womšglich sehr viel lŠnger im Gebrauch gewesen als man gemeinhin annimmt.
Man denke nur an die Freude, die Buxtehude[Io42] 1685 verspŸrte beim Ankauf eines Gro§basspommers[Io43].
Leider
fehlt[Io44] in dem Absatz Ÿber die
Ensemble-Intonation eine Art von Statistik, die die Tonarten, in der die
Kirchenmusiken geschrieben sind, erfasst. Diese Anmerkung bringt mich in das
Herz der Dissertation: die Praxis. Ich hŠtte mich gefreut, wenn auch Ÿber die
Praxis der Organisten selbst etwas mehr geschrieben wŠre. Die Lšsung,
komponierte StŸcke (von denen einige in entfernten Tonarten stehen) nur
als †bematerial zu werten (ergo auf Pedalclavichorden oder Cembali zu
spielen), scheint mir etwas zu einfach[Io45]. Dass ein Musiker
durchaus kreativ sein kann und Passagen
oktavieren und umlegen kann[Io46], ist auch heute noch
eine gŠngige Praxis. Ortgies hat recht, wenn er davon ausgeht, dass die gŠngige
kirchenmusikalische Praxis nicht unbedingt auf ausgeschriebenen
Kompositionen aufgebaut ist. Aber: Man
soll nicht vergessen, dass gerade in den gro§en HansestŠdten Orgelkonzerte (etwa die Abendmusiken) nicht unŸblich waren. Und
da bietet sich auch ausgeschriebenes Repertoire an.[Io47] Aufschlussreich ist die
Bemerkung Matthesons Ÿber Johann Adam Reincken in Critica musica (Hamburg 1722, S 255:)
Er wuste sie [die
orgel,
G.H.] auch auf eine solche besondere/ reinliche Art zu bespielen/ da§ man zu
seiner Zeit/ in den Sachen/ die er
geŸbet hatte[Io48]/ keinen gleichen kannte.
Und last but not least:
Der Choral, der begleitete Gemeindegesang. Dieser spielte sich gelegentlich
auch in ãWolfsÒtonarten ab. Wie aus einer Orgelprobe
in LŸneburg[Io49] hervorgeht, hatten die
Organisten durchaus in Wolfstonarten zu spielen. Ob sie nun ihren Wolf
liebten, oder ob, wie das Beispiel der erhaltenen Orgel in Maihingen[Io50] zeigt, die Wolfstonarten
durch eine Modifizierung der mitteltšnigen Stimmung sehr gemildert und durchaus
dem Affekt der Kirchentonarten[Io51] angemessen waren[Io52], bleibt eine Frage fŸr
weitere Studien. Das letzte Wort ist mit
dieser Dissertation noch nicht gesprochen. Es bleibt noch sehr viel Raum fŸr
weitere Forschungen[Io53].
Sidan:
1
[Io1] Falsch.
Ich bin nicht von einer Hypothese
ausgegangen, sondern durch Quellen zu Hypothesen gelangt. Das ist ein
fundamentaler Unterschied in der Herangehensweise: Ich versuche nicht Material
zu finden, um vorgefa§te Hypothesen zu bestŠtigen. Ich ermittle dagegen
Material, komme zu Hypothesen und versuche diese zu falsifizieren (analog gemЧ
dem von Popper begrŸndeten "kritischen Rationalismus").
Sidan:
1
[Io2] Falsch.
Ich habe mich nicht auf nur einige besondere FŠlle konzentriert, sondern vor allem auf die Beschreibungen der allgemeinen Praxis, wie sie sich in den Dokumenten widerspiegelt. Diese Praxis entsprach offenbar nicht den Vorstellungen und WŸnschen moderner Interpreten und Musikwissenschaftler.
Sidan:
1
[Io3] Nein.
Sie ist nach den vorliegenden Quellen nicht genuin solistischer Orgelmusik zuzuschreiben. Soweit die Quellen den Zweck neuer Temperierungsweisen beschreiben, einerlei ob modifizierte Mitteltšnigkeit oder Wohltemperierung, nehmen sie aber nur Bezug auf die Erfordernisse der Ensemblemusik.
Sidan:
1
[Io4] Falsch.
Ich komme nicht zu diesem Schlu§ "unter dem Einflu§ der Ensemble-Intonation", sondern aufgrund der Entwicklungen, der langsamen Erweiterung und VerŠnderung der TonalitŠt in der Ensemblemusik des 17. Jahrhunderts.
Sidan:
1
[Io5] Falsch:
Zu diesem Schlu§ komme ich so allgemein nicht! Zwar ist das der Fall gewesen in Alkmaar und auch in einer Reihe anderer Beispiele, aber im Lauf des 18. Jh., vereinzelt in der ersten HŠlfte, aber vor allem ab etwa der Mitte des 18. Jh., wird es auch Zwischenstufen gegeben haben. Belegt durch Quellen sind diese allerdings kaum!
Sidan:
1
[Io6] Ich habe
Werckmeister nur als einen von mehreren Zeugen
herangezogen. Es gibt mehr Zeugen, die ich auch in
meiner Arbeit benannt und zitiert habe. Unter den fŸr Norddeutschland
bedeutenden Zeugen habe ich u. a. Michael Praetorius, Mattheson und
Werckmeisters Kollegen Bendeler genannt.
Sidan:
1
[Io7] Werckmeister war nicht
nur Theoretiker.
Das gilt im Grunde ohne Ausnahme fŸr alle relevanten, zeitgenšssischen Autoren, die als praktische Musiker tŠtig waren.
Werckmeister ist gerade deswegen wichtig, weil er Zeit seines Lebens als Organist, Improvisator, Komponist und OrgelsachverstŠndiger wirkte und mit wichtigen Musikern und Instrumentenbauern in Norddeutschland in Kontakt stand. Trotzdem enthalten seine Schriften einiges an Propaganda, gerade in Bezug auf die von ihm (zu seinen Lebzeiten ohne Erfolg) gewŸnschte €nderung der traditionellen (mitteltšnigen) Stimmpraxis.
Sidan:
1
[Io8] Da§
Werckmeisters Schriften zu seiner Zeit und danach als bedeutend angesehen
wurden, gerade die Orgelprobe, zeigen zahlreiche Referenzen in Archivalien und gedruckten
Werken des gesamten 18. Jahrhunderts. U. a. hat Peter Williams gezeigt, wie J.
S. Bach Werckmeistersche Formulierungen in seinen Orgelgutachten Ÿbernahm.
(Peter Williams: "OrgelsachverstŠndiger unter
dem Einflu§ Andreas Werckmeisters?" BachJb lxviii, 1982, 131-142.; Peter
Williams "Noch einmal: J. S. Bach - OrgelsachverstŠndiger unter dem
Einflu§ Andreas Werckmeisters?" BachJb lxxii 1986, 123-125.)
Des weiteren ist auf die Widmungsgedichte Buxtehudes und Schnitgers zu verweisen (s. ausfŸhrliche Auseinandersetzung in meinem Kapitel 8), und die †bersetzung ins niederlŠndische in der Mitte des 18. Jh.
Sidan:
1
[Io9] Diese
Arbeiten, Arbeitsdauern, werden in den RechnungsbŸchern meistens detailliert
spezifiziert, und zwar oft getrennt fŸr Stimmung, Intonation, Aufwarten. Vgl.
die ausfŸhrlichen Angaben in meinem Kapitel 5.
Sidan:
1
[Io10] Sicher, manchmal,
d. h. bei kleineren Arbeiten handelte es sich nur um "mehrere
Wochen". Bei gro§en Neu- und Umbauten habe ich aber in Kapitel 5 gezeigt,
da§ sich sich die Stimmarbeiten mehrere Monate hinzogen.
Gerade im Fall LŸbeck, St. Marien, ist die einzig sicher bekannte Umstimmung mit fast 100 Arbeitstagen des BŠlgetreters nachgewiesen, und die Arbeit dauerte mit Unterbrechungen von Juli bis Dezember 1782. Sollte die Orgel vorher schon wohltemperiert gewesen sein, also recht nahe an einer gleichstufigen Temperatur, fragt sich warum gerade diese Arbeit (die Ÿbrigens von einem erfahrenen Orgelbauer ausgefŸhrt wurde) zu den lŠngsten nachweisbaren Stimmarbeiten fŸhrte.
Es ist auch keine Behauptung von mir, sondern geht unmittelbar aus der Analyse des von mir transkribierten LŸbecker Archivmaterials hervor (einige andere entsprechende Zitate aus anderen Orten habe ich in Kap. 5 genannt).
Sidan:
1
[Io11] Dieser
ganze Satz verbindet Dinge, die weder zusammengehšren
(eine konkrete Temperatur und die Dauer des Balgtretens) noch von mir in
diesem Sinn zusammengefŸhrt wurden.
Sidan:
1
[Io12] Ich
habe beabsichtigt, die Praxis zu beschreiben, wie sie in den schriftlichen
Quellen reflektiert wird. Historische Orgeln kšnnen
aber in ihrem heutigen Zustand, nach mehreren
Jahrhunderten, in denen sie z. B. umgestimmt, umintoniert und anderweitig
behandelt wurden, durchweg nicht mehr als zuverlŠssige Zeugen dienen. Zwischen dem spŠten 18. und frŸhen 20. Jh.wurden sie in die
gleichstufige Temperatur gebracht (z. T. wohl mit modifiziert-mitteltšnigen
und/oder wohltemperierten Zwischenstufen). Dabei wurde Pfeifenmaterial
abgeschnitten, Deckel von Gedackten eingedrŸckt (evtl. auch neu aufgelštet),
SeitenbŠrte aus heute nicht mehr zu ermittelnden Positionen gedrŸckt etc.
Sidan:
1
[Io13] Die
vermeintliche Zeitperspektive die Moens-Haenen meiner Arbeit beimi§t, ist in
dieser Hinsicht falsch, da ihre die hier angefŸhrten
Argumente teils falsch sind, teils entkrŠftet werden kšnnen. Im †brigen habe
ich mich mit dem Thema seit gut 20 Jahren sowohl in Praxis als auch Theorie
auseinandergesetzt. Die Argumentation und Darlegung meiner Arbeit war daher
wohl Ÿberlegt, und die Niederschrift konnte daher in dem zeitlich engen Rahmen
geschehen. Der zeitliche Rahmen war also fŸr die genaue und grŸndliche
Argumentation ausreichend.
Nur fŸr die eigentliche Niederschrift gab es aufgrund universitŠts-bŸrokratischer Gegebenheiten weniger Zeit als urspr. vorgesehen, was sich leider in einer Anzahl von Tippfehlern manifestiert hat, die in der Webversion ausgemerzt werden.
Sidan:
1
[Io14] Die
einen sto§en sich daran, da§ zuviel theoretische Aspekte zu finden sind –
selbst in einer Arbeit wie dieser, die den historischen Beschreibungen der
Praxis gilt –, andere dagegen finden, es gebe zu wenig davon: Man kann es
niemandem recht machen.
Sidan:
1
[Io15] Das ist
aus den in der Einleitung zu meiner Arbeit angefŸhrten GrŸnden geschehen. Der
von Moens-Haenen allein genannte Begriff "SekundŠrliteratur" fŸhrt
den Leser der Rezension in die Irre: Ich fŸhre
Ÿberwiegend archivalische Belege an, die allerdings
in der SekundŠrliteratur publiziert wurden. Diese Belege habe ich ausfŸhrlich
kommentiert – gerade in ZweifelsfŠllen.
Sidan:
1
[Io16] Diese
wenigen Beispiele aus dem Inland und einigen
Randgebieten des damaligen norddeutschen Sprachraums, die nur einen kleinen
Teil des Kapitels 4 ausmachen, sind sicher arbitrŠr, entsprechen aber ganz dem
Befund aus dem in Kap. 4 mit Belegen reichhaltig bedachten Einzugsgebiet der
NordseekŸste und des unmittelbar angrenzenden Hintrlands. Sie betreffen also
auch die gro§en HansestŠdte Hamburg, Bremen und LŸbeck.
Sidan:
1
[Io17] So
vereinfacht habe ich es nicht gegeben.
Meine sehr komplexe Argumentation geht darauf hinaus, da§ das konstante Fehlen konkreter Hinweise zum Temperierungssystem in den sehr ausfŸhrlichen Gutachten (nur z.B. gerade in Bremen, Liebfrauen,1641, ist das Gutachten der PrŸfer H. Scheidemann und J. Praetorius nicht erhalten) darauf schlie§en lЧt, da§ es einen intendierten Temperatur-Standard gab, den man in der Praxis so gut wie jeweils mšglich verwirklicht sehen wollte: Je nach FŠhigkeiten der Orgelbauer, den UmstŠnden und auch dem Urteilsvermšgen von PrŸfern konnte die Verwirklichung des Standards unterschiedlich gut ausfallen. Da§ es den Standard gab beschreiben die Autoren der Zeit immer wieder (u. a. Werckmeister).
Sidan:
1
[Io18] Dem
hier vermittelten Eindruck, da§ meine Arbeit wenig originŠre Archivarbeit
enthŠlt, stehen die vielen Seiten mit von mir selbst angefertigten
Transkriptionen aus Archivmaterial gegenŸber.
Und es ist eine Binsenweisheit, da§ man bei weiteren Archivbesuchen mehr findet. Soweit andere Autoren diese Arbeit aber schon (sicher in unterschiedlicher QualitŠt) vorgenommen haben, konnte ich mich in wissenschaftlich Ÿblicher Weise unter Angabe der Quelle darauf berufen.
Sidan:
1
[Io19] Falsch.
Das Bremer Beispiel wurde nur deshalb gewŠhlt, weil einen Ausnahmefall einer durch Stimmfehler des Orgelbauers herbeigefŸhrten Modifikation darstellt. Diese wurde von Harald Vogel als beabsichtigte Modifikation der Mitteltšnigkeit interpretiert, ohne da§ er GrŸnde diskutierte, die einer solchen Interpretation widersprachen. Moens-Haenen nennt in der Rezension nicht, da§ Vogel der Urheber der Hypothese war, die sogleich akzeptiert wurde und auf deren Basis weitere Hypothesen errichtet wurden, die ebenfalls inzwischen mindestens starkem Zweifel unterliegen. Vgl. Kap. 8.
VerstŠndlich ist Vogels Hypothese aus dem Wunsch heraus, fŸr das heute als als aufzufŸhrendes Orgelrepertoire betrachtete Korpus norddeutscher Kompositionen, eine (letztlich nur subjektiv zu begrŸndende) "Spielbarkeit", d. h. die Darstellung auf einer Orgel zu ermšglichen.
Zur Verdeutlichung: Da§ es všllig legitim ist und eigenstŠndigen musikalisch-kŸnstlerischen Wert hat, Kompositionen heute als Orgelrepertoire zu betrachten und aufzufŸhren, zu interpretieren, steht au§er Zweifel. Gleichwohl kann man nur konstatieren, da§ vor etwa der Mitte des 18. Jahrhunderts (zum Teil auch noch danach) alle Autoren solche (relativ moderne) Praxis als unprofessionell ablehnen. Statt dessen wird die komplexe, kontrapunktische Improvisation als Praxis beschrieben.
Sidan:
2
[Io20] Falsch.
Angaben von Scheidemann und Praetorius sind – trotz gegenteiliger, fehlerhafter Darstellung – nicht erhalten und nicht bekannt, sondern nur die vagen Angaben des Orgelbauers Sieburg (Siborch), und selbst die sind nur durch einen anonymen Dritten aufgezeichnet.
Vgl. die AusfŸhrungen in den folgenden Kommentaren.
Sidan:
2
[Io21] Die
Namen sind in meiner Dissertation einheitlich
geschrieben, und zwar schon im Typoskript (der zur Disputation gedruckten
kleinen Auflage.
Sidan:
2
[Io22] Falsch.
Nicht der Orgelbauer (Sieburg) bekam die Genehmigung den Zweitgutachter Compenius einzuladen, sondern die Gemeinde forderte ein Zweitgutachten von Compenius an, da die ErstprŸfer sich mit Sieburg nicht einigen konnten (es kam sogar zu massiven, persšnlichen Anschuldigungen Sieburgs gegen J.Praetorius und Scheidemann!).
Sidan:
2
[Io23] Nein, das ist nicht mein Punkt.
Es geht darum, da§ die von Scheidemann und J. Praetorius vermeintlich intendierte Modifikation der mitteltšnigen Temperatur nur die Berichtigung der fehlerhaften ausgefŸhrten Stimmung des Orgelbauers betraf.
Nochmals: †ber die Modifikation sind keine genauen Angaben bekannt – nur die vagen Angaben des Orgelbauers liegen vor und sind stark interpretationsbedŸrftig bzw. interpretationsabhŠngig.
Sidan:
2
[Io24] Hier
wird der Leser von der Rezensentin nicht darŸber
informiert, da§ das besagte Protokoll die anonym
aufgezeichneten, vagen Antworten des Orgelbauers auf das nicht erhaltene PrŸfungsprotokoll
der PrŸfer (Scheidemann/J.Praetorius) enthŠlt.
Es ist also definitiv keine Scheidemann/Praetorius-Modifikation, da die €u§erungen der beiden uns nicht einmal bekannt sind.
Sidan:
2
[Io25] Es ist nicht "eindeutig" die Rede davon, und es ging in Bremen nur um
eine Berichtigung der bestehenden Fehler, nicht um
eine Modifikation.
Sidan:
2
[Io26] Z. B.
weil diese Quinte d–a zu klein war und nun soweit wie mšglich rein
gestimmt werden sollte, soweit die bestehende fehlerhafte Temperatur erlaubte.
"Rein" kann auch in Bezug auf das gebrŠuchliche Temperatursystem
"rein" bedeuten – wie auch immer lЧt sich diese Aussage des
Orgelbauers nicht auf nur eine Interpretation festlegen.
Sidan:
2
[Io27] So
eindeutig ist der Begriff "rein" nicht
definiert.
Es kann auch bedeuten: "rein, innerhalb eines Bezugssystems" - d. h. eine genau mitteltšnig gestimmte Quinte ist eben "rein mitteltšnig".
Sidan:
2
[Io28] Diese
Bemerkung zeigt wenig Kenntnis von der Stimmpraxis.
Die Orgel war bereits fertig gestimmt, aber fehlerhaft, was die PrŸfer in dem schon vor dem 2. WK nicht mehr erhaltenen, unbekannten Protokoll festhielten. Nun sollten die Fehler korrigiert werden, soweit das unter den UmstŠnden einer bereits im Grunde fertigen und zur AbnahmeprŸfung fertig gestimmten Orgel mšglich war.
Jeder Ton steht in einem Beziehungsgeflecht zu den benachbarten Quinten, Quarten, gro§en und kleinen Ober- und Unter-Terzen – in der Mitteltšnigkeit sind das bis zu 6 Intervalle. Stimmt man nun das a hšher, wird zwar die Terz f–a geschŠrft, gleichzeitig vermindert sich jedoch dann die Terz a–cis, au§erdem wird die Quinte a-e verkleinert (evtl. mit klanglich nachteiligen Folgen, wenn die Quinte a–e schon annŠhernd mitteltšnig war). Stimmt man umgekehrt das d abwŠrts, wird zwar d–fis weiter, aber b–d enger, und wiederum kann eine bereits mitteltšnige Quinte g–d zu klein werden und klanglich leiden.
Sidan:
2
[Io29] Ob das
unkompliziert war, wissen wir nicht. Die bekannten Bremer Quellen zu den
VorgŠngen 1641 erlauben keine konkreten SchlŸsse.
Sidan:
2
[Io30] In dem
Zitat kann man lesen da§ zu dem Zeitpunkt die Quinten nicht zu
"bšse", d. h. zu schlecht klingend, zu stark schwebend, sein durften.
Man kann dies ohne MŸhe so verstehen, da§ Sieburg (einige) mitteltšnige Quinten
zu eng stimmte (vielleicht Šhnlich 1/3-Komma-Quinten) und damit die (einige)
gr. Terzen zu klein wurden.
Auch dieses Dokument, das Zweitgutachten Compenius', lЧt zuviel Interpretationsspielraum:. Es ging in jedem Fall um eine Berichtigung, wie auch immer diese konkret ausgefŸhrt wurde, wissen wir jedoch nicht.
Sidan:
2
[Io31] Falsch.
Dies stammt nicht von Jacob Praetorius oder Scheidemann, sondern vom Orgelbauer Sieburg.
Sidan:
2
[Io32] Von
"temporŠr" spreche ich nicht.
Nachdem Sieburg 7 lange Jahre fŸr den Umbau benštigt hatte, und es zu Streit zwischen der Gemeinde und ihm gekommen war, war die Gemeinde sicher froh, mit einer leidlichen Lšsung, wenn auch nicht optimal, leben zu kšnnen. Im Ÿbrigen wurde an dieser Orgel im Lauf des 17. und 18. Jh. weiter gearbeitet, so da§ die Temperatur dem Standard vielleicht noch besser oder ganz angepa§t wurde.
Sidan:
2
[Io33]
Richtig, das kann man aus so vagen Angaben in den Quellen nicht herauslesen (und das habe ich dementsprechend auch nicht getan). Und
da die VorschlŠge J.Praetorius' und Scheidemanns nicht bekannt sind, kann man
auch keinen Vergleich mit Compenius ziehen. Nur die vagen Angaben Sieburgs und
Compenius' lassen in sehr begrenzten Ma§e hšchst interpretative Vergleiche zu.
Sidan:
2
[Io34] Solche
Unterschiede habe ich beschrieben. Zum Begriff
"praetorianisch" siehe unten.
Sidan:
3
[Io35] Auch
das habe ich nicht vergessen.
Ein Punkt meines Kapitels 5 behandelt den EinflŸ§ der Windversorgung. Die stetigen Forderungen nach stabiler Windversorgung und die Bemerkungen z. B. Sorges zeigen, da§ diese als (zeitverkŸrzender) Faktor beim Orgelstimmen betrachtet wurde.
"StimmgerŠte" gab es zwar nicht in elektronischer Form, jedoch z. B. in Form von Monochorden – jedoch war die †bertragung bzw. der Vergleich von Monochord-KlŠngen, Ÿberhaupt von Saiteninstrumenten auf ein Blasinstrument sehr problematisch. Als Beispiel dafŸr kšnnen Biermanns €u§erungen 1738 gelten (zitiert in meinem Kapitel 4).
Sidan:
3
[Io36] Diese
€u§erung ist banal, denn jede Temperatur oder Stimmung lЧt sich auf besaiteten
Tasteninstrumenten leichter einstimmen als auf einer Orgel – mit gewisser
Ausnahme bei Zungenregistern, die aber in der Regel in norddeutschen
Kirchenorgeln 10-25 % des gesamten Pfeifenmaterials nicht Ÿberschreiten.
Sidan:
3
[Io37] Falsch:
Es war der Orgelbauer Sieburg, der das einem unbekannten Dritten als Antwort auf die nicht erhaltene Kritik von J.Praetorius/Scheidemann diktierte.
Sidan:
3
[Io38] Falsch,
einerseits weil Michael Praetorius selbst diese Variante nur als Notlšsung beschreibt, nicht zufrieden ist damit und sie selbst auch nicht als "Praetorianisch" bezeichnet, und andererseits weil sich alle spŠteren Vorkommen des Begriffs "praetorianisch" auf die regulŠre Mitteltšnigkeit beziehen.
Auch eine aus unzureichenden GrŸnden Jacob Praetorius und H. Scheidemann zugeschriebene Temperatur ist eben nicht "praetorianisch" (abgesehen, da§ im Bremer Fall die Art der Temperatur aus den vagen Angaben nicht genau ermittelbar ist).
Sidan:
3
[Io39] Nun,
nach der Mitte des 17. Jh. ist nicht
"frŸh" im 17. Jh. FrŸh im 17. Jh. begann gerade in Deutschland ein
kleiner "boom" fŸr Orgeln mit Subsemitonien, der erst um 1660
abebbte. Aber immerhin wurde noch in den 1690ern in der Stadt Frankfurt
a. d. Oder eine der grš§ten Orgeln mit Subsemitonien von dem
Orgelbauer M. Schurig gebaut, den selbst A.Schnitger bewunderte. Die
Darstellung des Aufkommens und Niedergangs der Anwendung der Subsemitonien
findet sich ausfŸhrlich in meinem 7. Kapitel.
Sidan:
3
[Io40] Falsch.
Stellwagen baute sie mindestens in der LŸbecker Aegidienkirche, wie von mir ausfŸhrlich in Kap. 7 genannt. Sein Lehrmeister Gottfried Fritzsche baute wohl mehr als 10 solche Instrumente in Kirchen gro§er StŠdten, Residenzen und Hšfe.
Sidan:
3
[Io41] So
ausschlie§lich ist das falsch:
Zum einen wurde die Praxis beschrieben, und unterschiedliche Tonarten je nach Stimmtonhšhe treten verschiedentlich in Stimmen auf, so z. B. hŠufig in Kantaten J. S. Bachs – in diesen FŠllen wurde doch gleichzeitig in verschiedenen Stimmtonhšhen musiziert.
Sidan:
3
[Io42] Die
LŸbecker Marienkirche schaffte Ÿbrigens 1678, wahrscheinlich zu Buxtehudes
erster Abendmusik mit Ensemblemusik, ein "doppelt 16f٤iges" Regal
an. Ein solches, in puncto Stimmung flexibleres Instrument (als eine gro§e
Orgel) lie§ sicher, neben besaiteten Tasteninstrumenten, die transponierte
Begleitung in beliebigen Tonarten zu. Auch Einsatz von Cembali ist in der
Kirchenmusik norddeutscher HansestŠdte gebrŠuchlich gewesen (Hamburg, LŸbeck im
18. Jh.)
Sidan:
3
[Io43] Das
Problem wird durch die Anschaffung (und chormЧige Anpassung) eines einzelnen
Instruments (1685) nicht aus der Welt geschafft,
denn die Stimmtonhšhe der anderen Instrumente, die Buxtehude verwendete, ist
uns nicht bekannt.
Sidan:
3
[Io44] Es
steht unbestritten noch vieles aus – und in vielen Bereichen stehen wir
am Anfang eines z. T. neuen VerstŠndnisses.
Dort wo der Ganztonabstand zw. Chor- und Kammerton regierte, ist immerhin zu konstatieren, da§ Kreuztonarten regelmЧig noch mitteltšnig zu begleiten waren, dort wo ein Kleinterz-Abstand herrschte waren eher B-Tonarten gŸnstig darzustellen. Diese Konstellationen sind bei etwaigen Statistiken zwingend zu berŸcksichtigen.
Eine umfassende Arbeit dieser Art wŠre einer eigenen Dissertation (bzw. mehreren) wert und konnte selbstverstŠndlich im Rahmen meiner Arbeit nicht in Angriff genommen werden. Von "Fehlen" zu sprechen ist daher gegenstandslos.
Sidan:
4
[Io45] Sie
entspricht aber der zeitgenšssischen Auffassung, wie ich sie in Kap. 10 darlege
(zugegebenerma§en knapp, wie es im Rahmen der Arbeit mšglich war) und wie sie
S. Rampe noch wesentlich detaillierter im den BŠnden des SchŸtz-Jahrbuchs 2003-2005 nachzeichnet. Da§ diese Auffassung unserer heutigen so sehr
widerspricht und es uns heute schwerfŠllt, diese
nachvollzuziehen, Šndert nichts an deren Wertigkeit. Ich habe auch zunŠchst den
Aussagen der Quellen nicht glauben mšgen, mu§te aber den Quellenbefund
hinnehmen. Dann aber, erklŠren sich viele WidersprŸchlichkeiten ohne weiteres
(was fŸr die Darstellung der zeitgenšssischen Quellen spricht).